Sprechtheater "An Grenzen entlang und darüber"

Sprechtheater An Grenzen entlang und darüber

Meist ist es nicht beabsichtigt,
und doch tut es weh,
mindert die Würde des oder der Kranken,
wenn Grenzen überschritten werden –

die Grenze der Wahrheit,
die Grenze der Behandlung,
die Grenze der Würde,
die Grenze des Sterbens zu Hause
die Grenze des Lebens.

Idee: Dipl.-Theol. Klaus Aurnhammer, Völklingen
Drehbuch: Diethard Schwarz, Mulfingen
Regie: Gabriele Kistner, Tauberbischofsheim
Sprecher/innen: Mitglieder der Hospizgruppe Tauberbischofsheim

Aufführung

Das Sprechtheater wird von Mitgliedern in der Umgebung von Tauberbischofsheim bei Hospizgruppen aufgeführt. Es wird kein Eintrittspreis erhoben, sondern eine Spende erbeten.

Das Stück möchte helfen, achtsam zu werden auf die feine Linie, die die Grenze des inneren Heiligtums ist, wenn Sie in dieser Situation sind als Familienangehörige, Hospizhelfer/in, Schwester, Arzt oder Seelsorger/in.

Wir laden Sie zum Gespräch nach der Vorführung ein – weil wir zwar Denkanstöße geben möchten, aber keine Patentrezepte anbieten können.

Drehbuch

Das Drehbuch kann gegen Kostenerstattung von den LAGAbkürzung für LandesArbeitsGemeinschaft-Gruppen angefordert werden. Kontaktmöglichkeiten siehe Kontaktseite.

Handlung

DarstellerEinem Patienten wird nach einer Untersuchung die Diagnose Krebs gestellt. Im Ablauf geht es darum, die unterschiedlichen Weisen der Mitteilungen und des Hörens darzustellen.

Die gesprochenen Rollen werden interpretiert durch SprecherInnen, die verbindende und erklärende Text vortragen.

Während der Arzt z.B. eine sachliche Information gibt, nimmt sie der Kranke natürlicherweise emotional auf. Der Arzt spricht schon von Therapien, während der Kranke noch damit beschäftigt ist, sich klarzumachen, was die Diagnose für ihn bedeutet. Er hört nicht mehr, was der Arzt sagt, und dieser hat nach dem Gespräch ein mulmiges Gefühl. Die Grenze der Wahrheit muss behutsam wie Medizin verabreicht werden.

Die Behandlung wird mit vielen Hoffnungen begonnen. Jeder merkt im Ablauf, dass sie nicht anschlägt, der Patient immer schwächer wird – aber auch hier tut jeder so, als ob alles in Butter wäre: die Grenzen der Behandlung werden meist nicht angesprochen.

Sprecherinnen bei der ProbeUnd immer wieder werden die Profis getrieben von der knappen Zeit, von der mangelnden Ausbildung, vom eigenen Unbehagen – auch sie fühlen sich nicht wohl in ihrer Haut.

Sowohl im Krankenhaus als auch zu Hause ist schnell die Grenze der Würde des Patienten überschritten. Wer kennt das nicht: Sie sollten sich nicht so hängen lassen, Jetzt gehen wir schlafen, Komm, Opa, wir duschen jetzt usw. Je nach Altersunterschied mag das ab und zu hingehen, insgesamt ist das Verhalten verletzend.

Nun ist Behandlung und Sterben zu Hause zwar das Ideal, das auch die Hospizbewegung immer vorstellt, leider aber nicht immer zu verwirklichen. Was ist, wenn Kinder selbst in engen Mietswohnungen sind? Was ist, wenn der Kranke allein ist? Auch hier sind oft die Grenzen des Sterbens zu Hause erreicht. Wie kommen die Beteiligten dann ins Gespräch? Oder wird über den Kranken bestimmt, weil man ja weiß, was gut für ihn ist?

Unausweichlich kommt für jeden für uns die Grenze des Lebens. Diese Grenze kommt bei Langzeitkranken langsam näher, oft unmerklich, aber unaufhaltsam. Gesunde und akut Kranke gehen zwar genau so unaufhaltsam auf diese Grenze zu, nur können sie das leichter verdrängen.

Das Stück bringt keine Verurteilungen, keine Seitenhiebe. Es beschreibt Realität. Jeder meint es gut – aber kaum einer denkt nach oder ist mutig genug, das als richtig Erkannte zu tun.